Neuer Anfang

Vom 16.4.1945 bis zum 30.9.1945 war die Schule auf Anordnung der Militärregierung geschlossen. Bei der Neuöffnung des Gymnasiums blieb das Kennzeichen einer starr festgelegten Sprachenfolge erhalten, nur dass an Stelle von Englisch jetzt von Sexta an (die alten Klassenbezeichnungen wurden wieder eingeführt) Lateinisch, von Quarta an Englisch und im neusprachlichen Gymnasium, das man für das Humboldtgymnasium der Tradition entsprechend wählte, von UIII an Französisch gewählt wurde.

Die Dauer der Schule war nun so, dass nach dem Willen der damaligen Reformer alle Schüler die ganze Schule durchlaufen sollten. Eine mittlere Reife sollte es nicht geben. Für diejenigen, die einen nur sechsjährigen Lehrgang durchlaufen wollten, sollten Mittelschulen eingerichtet werden, welche die Bezeichnung "Realschule" erhielten. Die heutige Realschule darf also nicht mit der früheren Realschule, wie sie von 1903-38 in Ohligs bestanden hat, verwechselt werden.

Der Religionsunterricht wurde wieder mit zwei Wochenstunden eingesetzt und der Unterricht in Leibensübungen auf zwei Wochenstunden gekürzt. 1950 wurde eine freiere Gestaltung der beiden Abschlussklassen eingeführt; in allen Schulfächern konnten Arbeitsgemeinschaften gebildet werden, an denen Schüler je nach Wahl teilnahmen; außerdem bestanden am Humboldtgymnasium Arbeitsgemeinschaften in Philosophie, Spanisch und Gegenwarts- bzw. Rechts- und Wirtschaftskunde. Von der inzwischen gebotenen Möglichkeit, eine Sexta mit Englisch beginnen zu lassen, machte unsere Schule seit 1951 Gebrauch; diese Sextaner erhielten Lateinunterricht erst von Quarta an. Ein immer noch stark beschädigtes Gebäude, keine Heizung, steigende Schülerzahlen, starker Raum- und Lehrermangel prägten das damalige Bild.

Kriegsteilnehmer, deren Reife- oder Vorsemestervermerk nicht mehr anerkannt wurde, kehrten auf die Schule zurück und mussten in Sonderlehrgängen (insgesamt vier) zur Reifeprüfung herangebildet werden. Der letzte Sonderlehrgang wurde 1949 entlassen, zum gleichen Zeitpunkt, an dem auch die ersten Abiturienten mit wieder neunjährigem Ausbildungsgang die Schule verließen.

Dazu kam, dass die Schule auch dem Lyzeum, das vom 1.7.1944 bis zum 31.7.1948 der Leitung der Humboldtschule unterstellt war, über 5 Jahre lang Gastrecht gewähren musste, was durch Wechselunterricht (je eine Woche vor- bzw. nachmittags) ermöglicht wurde. Am 15.04.1953 feiert unsere Schule ihr 50jähriges Bestehen. Es fanden Festgottesdienste in der evangelischen und der katholischen Kirche in Ohligs statt. Nachmittags und abends wurde Eltern, Lehrern und Freunden der Schule in der Turnhalle des Wald-Merscheider Turnvereins ein Programm geboten, das vorwiegend von Schülern gestaltet war. Im Jubiläumsjahr zählte die Schule 577 Schüler, die von 27 hauptamtlichen und drei nebenamtlichen Lehrkräften unterrichtet wurden.

   
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