Die Deutsche Schülerakademie: Ein Erfahrungsbericht

Interessen sind, wie jeder weiß, vielseitig. Sport, Literatur, Videospiele, die eigenen Freunde, Filme oder Videospiele können faszinieren, aber auch am Lernen kann so mancher großen Spaß finden, am gemeinsamen Kennenlernen neuer Themen oder der Vertiefung von Bekanntem. Doch während Sport- oder Vorlesewettbewerbe an vielen Schulen Gang und Gäbe sind, halten sich Förderangebote für besonders interessierte Schülerinnen und Schüler oft zurück.
An diesem Punkt erfuhr ich durch meine Lehrer von der „Deutschen Schülerakademie" und wurde von ihnen für die Teilnahme vorgeschlagen. Sie wurde 1988 gegründet und hat sich das Ziel gesetzt, leistungsbereite und vielfältig interessierte Jugendliche zu fördern. Unter Unterstützung von Wissenschaft, Industrie und Politik finden im Sommer jeden Jahres Akademien statt. Über zweieinhalb Wochen leben rund 100 Jugendliche und Kursleiter zusammen, besuchen Kurse unter professioneller Anleitung, lernen andere Schüler aus ganz Deutschland oder von deutschen Schulen im Ausland kennen und erfahren die Methoden wissenschaftlicher Arbeit.


In diesem Sommer hatte ich die Möglichkeit, vom 22.6 bis 8.7 an einer Akademie in Braunschweig teilzunehmen und ich möchte versuchen, euch näherzubringen, warum diese zweieinhalb Wochen eine wunderbare Zeit waren. Nachdem ich angekommen war und das Zimmer bezogen hat, herrschte natürlich zuerst Verunsicherung. Es ist kein bekanntes Gesicht zu sehen, gerade erst hat man den Zimmernachbarn für die nächsten Wochen kennengelernt. Aber schon nach dem Abendessen treffen sich die Kurse zum ersten Mal und jeder konnte sich ein Bild davon machen, wer die Kursleiter und Mitschüler sind. Die einzelnen Kurse wurden täglich vor- und nachmittags besucht und behandelten verschiedenste Themen: Von der Geschichte der romanischen Sprachen und Kabarett über die Frage nach Effizienz und Gerechtigkeit zur Galoistheorie oder dem von mir besuchten Kurs „Spontane Symmetriebrechung - Supraleitung und der Higgs-Mechanismus", in dem die Quantenmechanik behandelt wurde.
Aber es ist nicht allein der Besuch des Kurses, der die Akademie geprägt hat. Vor allem das Miteinander hat diesen Aufenthalt einmalig gemacht. An der Schülerakademie traf ich auf 100 spannende Persönlichkeiten, die ich während den gemeinsamen Mahlzeiten oder in der reichlich vorhandenen Freizeit kennenlernen konnte. Die freie Zeit nachmittags und abends wurde vor allem mit „Kursübergreifenden Aktivitäten" gefüllt, an denen alle Interessierten teilnehmen konnten. Da die Akademieteilnehmer diese Aktivitäten selbst organisieren, ist die Spannbreite riesig: Von Volleyball und Fußball über gemeinsames kreatives Schreiben und Schachspielen zu Pen&Paper-Rollenspielen und dem Lösen von Zauberwürfeln ist alles zu finden. Hervorzuheben ist hier vor allem die Musik, die an Schülerakademien besonders großgeschrieben wird. Täglich fanden Chöre oder Orchester statt, die sich an erfahrene Musiker wie auch an Unerfahrene (wie mich) richteten. Mein Teil wiederum waren die täglichen Nachrichten, die im Rahmen einer Kursübergreifenden Aktivität jeden Tag vortrug. Der Akademiealltag wurde außerdem aufgelockert durch Exkursionen, bei denen jeder auf seine Kosten kam. Es wurde gewandert, ein Schloss in der Nähe besucht, ein Bergwerk besichtigt oder eine Kanufahrt unternommen.
Aber natürlich bestand die Akademie nicht nur aus Freizeit. Jeden Tag trafen sich die Kurse zweimal, um an ihren Themen zu arbeiten. Die Kursarbeit bestand dabei aus dem Erarbeiten eines Kursziels wie in meinem Fall der Herleitung des Standardmodells der Teilchenphysik. Unter Anleitung der Kursleiter wurden so zum Beispiel jede Stunde Referate gehalten. Aber auch der interdisziplinäre Austausch ist ein bedeutender Teil der Akademie: So wurden die anderen Kurse im Rahmen einer „Rotation" durch eigenständig vorbereitete Referate informiert, welche Themen die anderen Kurse erarbeiten. Außerdem wurden uns die Methoden wissenschaftlicher Arbeit nähergebracht, indem in den Kursen eine Dokumentation erstellt wurde, in der die Ergebnisse aus zwei Wochen Kursarbeit nach wissenschaftlichen Standards und in eigenverantwortlicher Arbeit festgehalten wurden.
All dies sorgte für eine ausgelassene Atmosphäre an der Akademie, geprägt von Gleichgesinnten und Motivation. Oft wurde noch bis 3 Uhr morgens gemeinsam an der „Doku" gearbeitet, gelacht und geredet. Es fanden an jeder Ecke hochinteressante Gespräche statt genau wie die größten Albernheiten. An der Schülerakademie herrschte ein Klima, von dem jeder Schüler normalerweise nur träumen kann.
Der Besuch der Schülerakademie hat mir viele wertvolle Erfahrungen ermöglicht, zum Beispiel wie es ist, wissenschaftlich zu arbeiten. Ich konnte tiefere Einsichten erhalten in verschiedene Gebiete von Wissenschaft, Sprache, Wirtschaft oder Kabarett und etwas mehr Orientierung, wie sich die eigene Zukunft gestalten soll. Diese Zeit hat mir einen Vorgeschmack auf das Studium gewährt und ist eine nützliche Referenz. Aber mindestens genauso wichtig sind die Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Ich hatte die Gelegenheit, viele Freundschaften und Kontakte mit einzigartigen Menschen zu knüpfen, die auch nach der Zeit an der Akademie bestehen bleiben. Diese Menschen haben die zweieinhalb Wochen der Akademie unvergesslich gemacht.


Hendrik Kühne

   
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