Mit 16 Humboldt-Schülern ins „Gelobte Land“

Nachdem uns im April dieses Jahres 16 Schüler unserer israelischen Partnerschule Tichon-Hadash aus Tel Aviv in Solingen besucht hatten, stand nun vom 15. bis zum 23. Oktober der Gegenbesuch im „Gelobten Land“ an. Fraglich war allerdings erst einmal, ob wir überhaupt würden fliegen können, da die Fluggesellschaft Air-Berlin kurz vor unserer Abreise Insolvenz angemeldet hatte und unser Flug daher gestrichen wurde.

 Am ersten Tag hatten wir erst einmal Zeit in unseren Gastfamilien. Am nächsten Morgen brachen wir zu unserem Tagesausflug nach Galiläa und Umgebung auf, wo wir uns „auf die Spuren von Jesus“ begeben wollten. Dabei besuchten wir die Brotvermehrungskirche und die Kirche der Seligpreisung, die an Orten stehen, an denen Jesus gewirkt haben soll. Außerdem waren wir im Domus Galilaeae, einer christlichen Begegnungsstätte am See Genezareth. Auf dem Rückweg haben wir in Yardenit angehalten, der mittlerweile einzigen Taufstelle im Jordan, da der Fluss ansonsten ziemlich verschmutzt ist. Jesus wurde etwas weiter südlich in der Nähe von Jericho von Johannes getauft.

Am Dienstagmorgen mussten wir alle sehr früh aufstehen, denn um 6 Uhr ging es auf nach Jerusalem. Dort angekommen hielten wir erst einmal an einem Aussichtspunkt an, von dem aus wir die ganze Stadt überblicken konnten. In der Altstadt besuchten wir zunächst die Grabeskirche, um die sich die verschiedenen christlichen Konfessionen seit Jahrhunderten streiten, weshalb es in einem Desaster ausarten könnte, wenn man nur einen einzigen Stein verschiebt. Danach schlenderten wir durch Marktgassen zur Klagemauer, in die wir, wenn wir wollten, einen Zettel mit einer Bitte stecken konnten. Der Nachmittag war Yad Vashem gewidmet, wo wir zu Beginn im Garten der „Gerechten unter den Völkern“ nach dem Baum des Solingers Hermann „Fritz“ Gräbe suchten, der im Holocaust Juden in der Ukraine gerettet hatte. Am Abend ließen wir uns dann in einer Jugendherberge nieder, wo wir zum Abschluss des Tages noch eine zweistündige politische Diskussion über den Mordanschlag auf den ehemaligen israelischen Premierminister Yitzak Rabin hatten. Nach diesem wurde sowohl die Jugendherberge als auch unsere Partnerschule benannt.

Der nächste Tag ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, wir waren nämlich in der judäischen Wüste und besuchten dort das Naturschutzgebiet in En Gedi, die Festung Massada und das Tote Meer. Es war beeindruckend, eine Oase mit blühender Natur in der Wüste zu bestaunen, in den Ruinen einer Festung zu wandeln, die vor knapp 2000 Jahren selbst den Römern trotzen konnte, und auf dem Wasser zu schweben! Am Tag darauf machten wir uns auf in die Wüste Negev, die rund 60 Prozent der israelischen Landfläche ausmacht. Dort besuchten wir einen riesigen, natürlich entstandenen Krater (Makhtesh Ramon), sammelten bunten Sand am Berg Avnun, ritten auf Kamelen (es war gar nicht so unbequem, wie immer behauptet wird!) und beschlossen den Tag mit einem Besuch am Grab des Staatsgründers Ben Gurion sowie einer Feedbackrunde.

Zurück in Tel Aviv trafen wir uns am Freitagmorgen – für die Israelis war eigentlich schon Wochenende! – mit der Schauspielerin Sara von Schwarz, deren Eltern nach dem Krieg zum Judentum konvertiert und von Deutschland nach Israel gezogen waren. Danach nahmen wir an einem Poetry-Slam-Workshop teil, bei dem wir Texte für die Abschlusspräsentation in der Schule vorbereiteten. Den Schabbat über hatten wir freie Zeit in den Familien. Freitagabend durfte ich sogar an der „Schabbat-Begrüßungsfeier“ im erweiterten Familienkreis teilnehmen.

Am Samstag habe ich mit meinem Gastbruder Ido und einigen anderen eine Bootstour durch den Hafen von Jaffa gemacht. Am Sonntag besuchten wir mit unseren Austauschpartnern die Schule, um einen Einblick in das israelische Schulsystem zu bekommen. Nachmittags waren wir auch noch am Strand, um im Mittelmeer zu schwimmen. Das Wasser war kristallklar und hatte eine angenehme Temperatur! Am Abend feierten wir im Haus eines der israelischen Schüler eine Farewell-Party mit einem netten Quiz zum Abschluss.

Montag war leider schon der letzte Tag – die Zeit ist unfassbar schnell vorüber gegangen. Wir präsentierten den Schülern aus Tel Aviv unsere Bilder und Eindrücke des Austausches und stellten die Ergebnisse des Poetry-Slam-Workshops vor.

Die ganze Zeit über habe ich mich in meiner Gastfamilie sehr wohl gefühlt – wie, soweit ich weiß, auch meine Mitschüler. Alle Israelis waren extrem freundlich zu uns und begegneten uns keineswegs mit irgendwelchen Vorbehalten bezüglich unserer Herkunft. Es war eine tolle Zeit mit unvergesslichen Erinnerungen, Erlebnissen und Begegnungen – ich würde jederzeit wieder an dem Austausch teilnehmen!

Raphael Mergehenn, EF

 

   
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