Schüleraustausch 2017

flaggen

Humboldtgymnasium Solingen mit Tichon Hadash al shem J. Rabin in Tel Aviv

 „Come together – discover – be creative!“

Unser Schüleraustausch mit der Tichon Hadash Highschool in Tel Aviv besteht bereits seit 12 Jahren. In der aktuellen Begegnung vom 26.3. – 6.4.17 besuchten uns 16 israelische Schülerinnen und Schüler mit ihren beiden begleitenden Lehrerinnen Michal Caspi und Tova Yetinson. Im Herbst wird der Gegenbesuch in Israel stattfinden.

 

Die Israelis haben mit ihren 16 Solinger PartnerschülerInnen der Jahrgangsstufen 9 und 10 unter der Leitung unserer beiden Kolleginnen Melanie Cybulla-Rathgeb und Christina Vohland zunächst ein geschichtlich und kulturell geprägtes Berlin-Programm wahrgenommen, wobei ein besonderer Fokus auf einer geführten Tour von Graffiti-Künstlern durch speziell ausgewählte Stadtviertel Berlins lag. Dabei wurden die zugrundeliegende Idee, die Techniken und die codierten Botschaften von Streetart sehr anschaulich und jugendgemäß verdeutlicht. Auf dem Rückweg nach Solingen machte die Gruppe in Weimar Station, um dort u.a. gemeinsam die Gedenkstätte Buchenwald zu besuchen. Anschließend teilten die Jugendlichen im Alter von 14-16 Jahren eine Woche lang in ihren jeweiligen Gastfamilien den Alltag der deutschen Schüler, erkundeten aber natürlich auch Solingen und seine Umgebung.

Gemäß des Schwerpunkts des diesjährigen Programms „Get together – discover – be creative“ bildete die gemeinsame Erstellung eines Streetart-Kunstwerks („Stencils“) nach Berliner Vorbild im Humboldtgymnasium den Mittelpunkt. Dafür hatten die Kolleginnen im Vorfeld über Internet Fotos von je einem israelischen Mädchen und einem deutschen Jungen, der einladend einen Schirm hält, ausgetauscht, die beiden Fotos zusammengefügt und von dem so entstandenen Bild überdimensionierte Schablonen hergestellt, um die Bearbeitung durch das Sprayen zu ermöglichen. Zunächst haben die Schüler in mehreren Gruppen die sechs verschiedenen Schablonen ausgeschnitten und die Leinwände grün grundiert. Danach wurden zunächst die Silhouetten der Figuren in Weiß gesprayt und darauffolgend mit den jeweils zwei weiteren darübergelegten Schablonen graue und schwarze Akzente gesetzt. Auf diese Weise entstanden zwei überlebensgroße Kunstwerke, eins für das Humboldtgymnasium Solingen und das andere für Tichon Hadash Tel Aviv. 

Wie den Fotos zu entnehmen ist wurde so ein Sinnbild für unsere Partnerschaft geschaffen, das darüber hinaus offen ist für viele verschiedene Deutungen, wie die Schüler sie dann auch äußerten: „Begegnung – zunächst nur virtuell, dann real“, „Der Austausch bietet wie unter einem Schirm einen Schutzraum in einer kaputten Welt“, „Wir kommen zusammen und gehen verändert wieder auseinander“, „Wir sind neugierig auf unsere Partner, wie sie leben und denken, und haben schon festgestellt, dass sie gar nicht so viel anders sind“.

Am letzten Tag wurden die (sichtbaren) Ergebnisse des ersten Teils unseres Austauschs der Schulöffentlichkeit und der Presse vorgestellt: Gut ausgewählte, aussagekräftige Fotos zeugten von einer ausgesprochen intensiven, fröhlichen und vielfältigen Begegnung. Bei der Vorstellung der Stencils gelang es den beiden Schülern Jonathan Segers und Leehee Bartov ganz ausgezeichnet, das Publikum für die Kunstwerke zu begeistern. Das von der gesamten Austauschgruppe auf der Bühne gemeinsam vorgetragene Lied „We are the world“, das die deutschen Schüler bereits während der Gedenkzeremonie für die Opfer des Holocaust in Buchenwald gesungen hatten, rundete sehr sinnfällig diese beglückenden Erfahrungen der ersten Begegnung ab.

Vom 14. – 23.10.17 werden die deutschen SchülerInnen und ihre Lehrerinnen ihre Neugier nach Israel tragen und dort u.a. an das künstlerische Graffiti-Projekt mit einer kreativen Theaterperformance anschließen: „Come together – discover – be creative“!

Während unserer langjährigen Erfahrung haben wir als Kolleginnen und Kollegen des Israelteams am Humboldtgymnasium zusammen mit unseren israelischen Kollegen erleben dürfen, auf wie vielen unterschiedlichen Ebenen dieser Austausch und dessen Begleitung durch die zweijährige AG-Arbeit jungen Menschen Anreize für ihre Entwicklung schafft, z.B.:

Sozial-emotional: Das Sich-Einlassen auf fremde Partner mit ihrer eigenen Kultur und sich ihnen gegenüber zu öffnen. Das Einüben von Selbständigkeit in einem fremden Kontext wie auch die Rolle des Gastgebers zu übernehmen. Die Überwindung, während der ganzen Zeit englisch zu sprechen, während der Reflexionsphasen auch vor der ganzen Gruppe.

Gesellschaftlich-kulturell: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte / Kultur und seines Volkes und sie in der Begegnung mit der des anderen zu reflektieren. Besonders relevant ist bei diesem deutsch-israelischen Austausch natürlich die Herausforderung, eine Haltung in Bezug auf die unheilvolle gemeinsame Geschichte der beiden Länder zu finden. Die komplizierte Situation des Nahostkonflikts in der Diskussion mit Betroffenen nachzuvollziehen. Gemeinsamkeiten zu entdecken und sie nachhaltig zu fördern.

Ingrid Bruchhaus, Melanie Cybulla- Rathgeb, Christina Vohland

   
© Humboldtgymnasium Solingen & LernVid.com 2014